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CASE STUDY

Unternehmensübergabe

beechange – e-commerce Plattform für nachhaltige Produkte

Karin Haffert im Interview über den Prozess der Unternehmensübergabe

beechange ist ein online Shop, über den nachhaltige Haushaltsprodukte bezogen werden können. Im November 2015 startete die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Eigentümerin Karin Haffert, um den Shop zu verkaufen und an geeignete NachfolgerInnen zu übergeben. Das Projekt lief von November 2015 bis Mai 2016. Im Interview spricht Karin Haffert nun über die Herausforderungen, die Erwartungen, die Ergebnisse und die Zusammenarbeit mit konsultori.

konsultori: Über welche Themen hast Du Dir im Vorfeld des Unternehmensverkaufs Gedanken gemacht?

Karin Haffert: Ein ganz großes persönliches Anliegen war für mich auf jeden Fall, dass mein Shop an jemanden geht, der auch vom Thema etwas versteht. Er war nicht nur ein Business für mich, sondern ein persönliches Anliegen. Ich wollte unbedingt sicherstellen, dass meine Aufbauarbeit nicht umsonst war und alles so gut wie möglich in meinem Sinne weitergeführt wird.

Im Vorfeld hat mich natürlich beschäftigt, wie man diese Person oder das Unternehmen mit dem passenden Background als Unternehmenskäufer findet. Im Anschluss daran war mein zweiter Gedanke: Wie verpacke ich die Assets meines Shops in etwas, das sich gut präsentieren und verkaufen lässt? Dafür habe ich ja dann dich an Board geholt.

k: Wie verlief der Prozess der Unternehmensnachfolge für Dich?

KH: Überraschend war auf jeden Fall, dass mündliche Zusagen nicht halten. Daraus habe ich gelernt. Solang ich nichts Schriftliches in der Hand habe, verlasse ich mich nicht auf Interessensbekundungen.

Positiv überrascht haben mich die vielen tollen Rückmeldungen über das Verkaufskonzept. Die Aufbereitung sämtlicher Zahlen hat viele Leute sehr angesprochen. Das war natürlich eine tolle Bestätigung und hat mir gezeigt, dass meine Arbeit und mein Aufbau einen bestimmten Wert haben. Insgesamt war die Aufbereitung des Verkaufskonzeptes ein sehr starker Faktor und ein überzeugendes Argument bei der Übernahme. Ohne das Dokument wäre das Ganze nie so gut gelaufen. Es war essentiell, weil es mir selbst eine Struktur gegeben hat. Außerdem hatte ich alle Punkte über den Shop schon schwarz auf weiß auf dem Papier und somit auch den Ablauf beziehungsweise die Argumente immer sofort zur Hand. Mit dem schriftlichen Verkaufskonzept hatte ich eine stabile Basis für alle Gespräche und konnte mich so zum richtigen Wert verkaufen. Vor den persönlichen Gesprächen habe ich auch immer das Verkaufskonzept ausgeschickt – das hat mir irrsinnig viel Zeit, Arbeit und Nerven erspart, denn ich musste bei den Treffen nie bei Null anfangen.

Da alle Leute so gut auf das Verkaufskonzept angesprungen sind, hätte ich mir ehrlich gesagt auch erwartet, dass ich schneller verkaufe. Es haben sich viele Personen gemeldet, die zwar Geld, aber nicht den notwendigen, nachhaltigen Background hatten. Die anderen Interessenten, die thematisch besser gepasst hätten, verfügten dafür wiederum nicht über das notwendige Geld und die Zeitressource, die man schon in den Shop stecken muss. Das war eine der größten Problematiken, die aufgetreten sind: dass zwar genug Interessenten da waren, die Umstände aber praktisch nie gepasst haben.

Was ich anderen gerne mitgeben möchte: Das Erstellen einer Checkliste ist wichtig. Vor allem dann, wenn es wirklich um die Abwicklung des Verkaufs selbst geht. Man muss sich genau ansehen, was die einzelnen Punkte sind, die es zu erledigen gilt (Ummeldungen, Unterschriften und so weiter). Außerdem ist es wichtig, gleich von Beginn an eine große und breite Auswahl an potenziellen KäuferInnen zu treffen, damit am Ende des Tages auch wirklich ein guter Kandidat / eine gute Kandidatin übrig bleibt.

Letzten Endes war die Erstellung eines Businessplans sehr hilfreich. Den WKO-Leitfaden „Hilfe zur Selbsthilfe“ habe ich zwar als Basis genommen, aber die persönlichen Treffen mit einer Beraterin waren für mich wesentlich erfolgreicher. Und das bringt mich schon zu meinem letzten Punkt: Ich kann nur  jedem und jeder raten, in externe Beratungsleistungen zu investieren, auch wenn man klein ist. Viele wissen gar nicht, wie viel Arbeit das alles bedeutet und wie schnell mit so einem Input dann die Erfolgswahrscheinlichkeit steigt. Durch die Beratung werden alle gesetzten Maßnahmen ganz individuell und maßgeschneidert ausgewählt und eingesetzt – das ist vor allem bei so einem komplexen Thema unglaublich hilfreich.

k: Wie zufrieden bist Du mit dem Ergebnis und wie stehst Du zum Unternehmensverkauf aus heutiger Sicht?

KH: Ein besonders wichtiger Aspekt war für mich, dass der Shop nur an jemanden geht, der meine Arbeit gut weiterführt. Das haben wir erfolgreich erledigt: Der Shop läuft weiter und ging an eine Person, die viel Ahnung davon hat und engagiert ist. Ich habe meinen Blog behalten und einen ansprechenden Preis erzielt. Ich kann mir alles beruhigt aus der Ferne ansehen, es betrifft mich nicht mehr persönlich und ich habe das Thema mit der Unternehmensnachfolge auch für mich selbst abgeschlossen. Ich hatte mit fünf Monaten auch genug Zeit, um mich darauf einzustellen.

Insgesamt bin ich erleichtert und sehr froh, dass wir das gemeinsam gemacht haben. Es war ja auch wirklich schwierig, einen guten Käufer / eine gute Käuferin zu finden.  Ich kann jetzt positiv nach vorne blicken und meine neuen Projekte angehen. Durch das positive Abschließen habe ich viel mehr Spaß mit meinen neuen Herausforderungen.

Über Karin Haffert

Karin Haffert

Karin Haffert, Copyright Karin Haffert

Den ehemaligen beechange Blog führt sie auf oneecoveganlife weiter. Dabei schreibt sie über veganes und nachhaltiges Leben, Reisen und Kochen, sowie Müllvermeidung (plastikfrei & zero waste) und DIY. Für die Zukunft sind Coachings & Workshops zu diesen Themen geplant. Der Fotografie, die schon zu Shopzeiten ihr zweites Standbein darstellten, kann sie nun auch mehr Zeit widmen. Sie bietet individuelle one-on-one Foto-Coachings an und plant mit ihrem Mann Foto-Workshops zu Themen wie Bildaufbau und -bearbeitung in ihrer neuen Heimat im Waldviertel. Auf ihrem Foto-Blog Fotonomaden geben sie Tipps zur Planung von Fotoreisen, zu Fachliteratur und Equipment-Tests.

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