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Die Unternehmen der Kreativwirtschaft schauen mit Zuversicht in die Zukunft (siehe Kreativwirtschaftsbarometer). Sie sind sich allerdings auch des Umbruchs in der Branche bewusst: zwei Drittel legen ihren Fokus auf Investitionen im Bereich der Digitalisierung. Wir haben einen Überblick über aktuelle Trends in der Kreativwirtschaft zusammengestellt. Diese lösen eine Digitalisierungswelle aus. Doch damit alleine ist es nicht getan. Es gilt, in größerem Rahmen auch im Business Modell, in der Produktion, bei den Ziel-Kundensegmenten und im Marketing umzudenken. Lesen Sie weiter, welche Chancen hinter den Trends verborgen liegen.

Globale Technologie-Trends zwischen Hype und Realität

Wenn es um Technologie-Trends geht, dann schauen wir gerne auf die Publikationen des Analysten Gartner und Mary Meeker’s Internet Trend Report von Kleiner Perkins, um das gesamte Spektrum an Trends zu sehen.

2018 neu entstandene Technologie-Trends sind laut Gartner: Künstliche Intelligenz, digitalisierte Ökosysteme (z. B. Blockchain, Internet of Things), Do-It-Yourself Biohacking (zB Exoskelette), immersive Erfahrungen (zB selbstheilende Systeme, 4D Druck, connected Home) sowie allgegenwärtige Infrastruktur (zB 5G). Doch der 2018 Gartner Hype Cycle hält uns dann doch deutlich vor Augen, wie lange die gehypten Technologien noch brauchen, um in der Realität umsetzbar zu sein. Der Fokus sollte auf Technologien liegen, die realistischerweise in einem Rahmen von zwei bis fünf Jahren umsetzbar sind.

Technologie in der Kreativwirtschaft trifft nicht alle gleich

Welche Technologie-Trends sind für die Kreativwirtschaft relevant? Nicht alle Keativwirtschafts-Bereiche sind gleichermaßen stark von Technologie-Trends betroffen. Die Betroffenheit ist stark von den jeweiligen Geschäftsbereichen abhängig. Branchen, die stark von Content abhängig und digital ausgerichtet sind, trifft es mehr. Dazu gehören Gaming, Musik, Journalismus und Film. Im Gegensatz dazu ist das Kunsthandwerk von den Technologie-Trends nur im Vertriebsbereich betroffen.

Segmentierung Kreativwirtschaft

Segmentierung der Kreativwirtschaft nach Technologie und digitalem Output

3 Haupt Trends in der Kreativwirtschaft

Augmented Reality / Virtual Reality
Sie laufen, wie bei Gartner bereits erwähnt, unter dem Begriff immersive Technologien. Content und Storytelling werden dadurch viel stärker erlebbar. Da die Kosten für den Einsatz der Technologie weiter sinken und Konsumenten immer mehr Zeit mit digitalen Medien verbringen, ist dies ein nicht zu unterschätzender Trend für die Content-produzierenden Kreativwirtschafts-Segmente.

Artificial Intelligence
Künstliche Intelligenz unterstützt in der Content Produktion, um Inhalte besser auf die Bedürfnisse der Kunden abzustimmen. Die Technologie erlernt Kunden-Präferenzen und spiegelt diese im Produkt zurück.

Platformisation und die Blockchain
Die Blockchain-Technologien sind zwar noch nicht weit ausgereift, aber besonders spannend für die Kreativwirtschaft: sie erlauben den Content-produzierenden Bereichen eine bessere Kontrolle über ihre Inhalte. Copy-Rights und Monetarisierung können dadurch besser gesteuert werden. Plattformen als Intermediär zwischen der Kreativwirtschaft und Kunden bestimmen zusehends mit, wie verrechnet und was produziert wird.

Im Rahmen des World Economic Forum 2018 entstand das White Paper Creative Disruption als Studie über den Einfluss von drei Haupt-Trends auf die Kreativwirtschaft. Lesen Sie dort weiter, wenn Sie an mehr Details interessiert sind.

 

Weitere Trends

  • 3D-Druck und 3D-Scanning
  • Sensoring
  • Internet of Things
  • Cognitive Analytics
  • Mood und Motion Tracking

Wie Kreativwirtschafts-Unternehmen Technologien bereits erfolgreich einsetzen

Hier haben wir für Sie noch einige Beispiele, wie diese Technologien bereits Eingang in Kreativwirtschaftsunternehmen finden:

Cozyo.io – AR für den Möbeleinzelhandel
Sendmate.io – Messenger Service für die Musikindustrie
Black Cell – VR im Gaming
Vrisch – VR Content Produktion
Vierzueins – Architekturbüro arbeitet mit VR, um Kunden Entwürfe besser präsentieren zu können
JKDesign – 3D Druck in der Mode
WeAreTheFaces – VR in der Mode-Präsentation
TheWaveVR – VR Musikerlebnis
Sabinna – Mixed Reality Mode-Präsentation

Technologien beeinflussen Kreativwirtschafts-Unternehmen in Konzeption, Produktion und Vertrieb gleichermaßen.

Neben Technologie-Trends sind neue Business-Modelle auf dem Vormarsch

Der Vormarsch der Digitalisierung und der Einsatz mehrerer Technologien ermöglicht unter anderem die Bearbeitung, Verbreitung und Übertragung von kreativen Inhalten zu sehr niedrigen Kosten. Dies führt zu einigen Veränderungen in der Wertschöpfungskette der kreativen Branchen.

Darüber hinaus entstand die Herausforderung, IP Rechte (intellectual property) an den Inhalten auch weiterhin einzufordern. Das Copyright ist das Instrument zur Entlohnung für den Verkauf von digitalen kreativen Inhalten. Diese Veränderungen und weiteren Herausforderungen werden konzeptionell in Business Modelle verpackt.

Was ist ein Business Modell?

Ein Business Modell beschreibt in seiner gröbsten Definition die Beziehung zwischen Unternehmen und KundInnen. Was wird wie geliefert und bezahlt? Beispielsweise umfasst dies Lizenzierung, Abo-Verrechnung und Provisionssystem beim Matchen. In der Vergangenheit blieben die Business Modelle in der Kreativwirtschaft relativ stabil.

Neue Business-Modelle in der Kreativwirtschaft

Hauptsächlich zum Einsatz kommen Produkt-Modelle, i.e. „Das Unternehmen entwickelt ein Produkt oder eine standardisierte Dienstleistung und verkauft oder lizenziert sie an ihre KundInnen.“ Beispiele: Design und Mode.

An zweiter Stelle befinden sich Solution-Modelle, in denen maßgeschneiderte Lösungen für spezifische KundInnenbedürfnisse angeboten werden. Beispiel: Filmproduktion.

Ein Matchmaking Business Modell entstand als Vermittler zwischen Kreativwirtschaft und den KundInnen: Der Vermittler bringt auf einer Plattform Käufer und Verkäufer der Kreativleistung zusammen. Beispiel: Kindle Publishing von Amazon.

Speziell im Gaming und Verlagswesen besteht noch zusätzlich das Multi-sided Business Modell: Das Unternehmen bietet Produkte und Dienstleistungen an unterschiedliche Kundengruppen an. Diese Kundengruppen erhalten einen Zusatz-Wert voneinander. Beispiel: das Werbe-Modell bei Zeitungen oder in der free-Version eines Spiels.

Vermehrt sehen wir gemischte Modelle (Produkt und Solution) in den Phasen, wenn Unternehmen der Kreativwirtschaft mit neuen Modellen experimentieren oder mehrere Umsatzquellen parallel-schalten (zB Spiele-Entwickler, die Auftragsarbeit annehmen und zugleich Eigenentwicklungen betreiben). Neben dem vorherrschende Produkt-Business Modell experimentieren Unternehmen zusehends mit den Verrechnungsmodellen. Beispiele sind hierfür:

  • Freemium Modell im Logo-Design. Das Gratis-Produkt dient als Marketing-Instrument für maßgeschneiderte Lösungen und Beauftragungen.
  • Windowing in der Filmbranche. Je nach Distributionskanal und beschränkt auf eine zeitliche Verfügbarkeit, gibt es andere Preise.
  • Erfolgsbasiertes Modell auf Umsatz-Provisions-Basis: Verrechnung der Leistung angepasst an den zusätzlichen Umsatz, den der Kunde auf dieser Basis erzielt (starke Risiko-Übernahme, die auch eingepreist werden muss).

Um KundInnen zu halten, neue Zielgruppen zu erreichen und den Einfluss von Technologien einzubeziehen, ist es sinnvoll, neue Modelle auszuprobieren oder alternative Ansätze für das eigene Unternehmen anzudenken.

Die Marktentwicklung wirkt auch noch mit

Laut dem Vierten Kreativwirtschaftsbericht ist die Kreativ-Branche immer noch stark von ihrem Bedarf nach Kooperationen und der Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg geprägt.

Der Grund: die Kreativwirtschafts-Unternehmen sind eher klein. Die KundInnen hingegen wünschen sich Gesamtanbieter. “Alles aus einer Hand”.  Rund drei Viertel der Unternehmen arbeiten daher dauerhaft oder projektbezogen mit GeschäftspartnerInnen zusammen.

Kooperationen entstehen bei Co-Creation, Leistungserbringung und Auftrags-Akquise gleichermaßen.

In Teilbereichen der Kreativwirtschaft, zB der Architektur herrscht in einem sehr entwickelten Markt ein Überangebot. Das hat zur Folge, dass Preise unter Druck geraten.

Ein Ausweg aus der Preis-Spirale bietet einzig die Fokussierung und Spezialisierung auf Kundengruppen bzw. Leistungen. Dadurch kann das Alleinstellungsmerkmal gestärkt werden. Eine Fokussierung bedeutet allerdings gleichzeitig, dass der österreichische Markt schnell zu klein wird.

Ein Mitdenken einer Internationalisierungsstrategie von Anfang an ist unumgänglich.

Heben Sie schon ab?

Seit vielen Jahren begleiten wir als konsultori unsere KundInnen bei ihrer spannenden Reise:  über einen individuellen Fokus bei der Positionierung, dem Start ihrer Expansion und bei der Steigerung ihres Umsatzes durch erfolgreiche Business Modelle.

Seit sieben Jahren legen wir einem besonderen Augenmerk auf Unternehmen in der Kreativwirtschaft. Über 30 spannende Projekte in diesem Bereich haben wir bereits erfolgreich abgewickelt.

Mit persönlicher Beratung sowie speziell entwickelten Tools und Workshops sind wir ein starker Partner im Bereich der Strategie.

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