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Die Kreditklemme der KMUs und was wir empfehlen

Joachim Zimmel Konsultori © Wirtschaft.inside

Wir leben in wirtschaftlich sehr turbulenten Zeiten – und ich sehe auch im Herbst verschiedene dunkle Wolken am Konjunkturhimmel. Gerade KMUs sind aber oft sehr schlecht aufgestellt, wenn es um ihren Finanzbereich geht. Darum und wie man es besser machen kann geht es in meinem Interview auf W24 in „Wirtschaft.inside„. – sagt Joachim Zimmel, Konsultori Partner auf LinkedIn.

Das Interview trifft den Nerv der Zeit: Es wurden eine Reihe von Fachfragen beantwortet, die viele Unternehmer:innen interessieren. Das von Marc Zimmermann geführte Gespräch wird deshalb auch in schriftlicher Form veröffentlicht. Am Ende des Artikels ist das Video verfügbar.

Die aktuelle Wirtschaftslage treibt vielen kleinen und mittleren Unternehmen bildlich gesprochen den Schweißperlen auf die Stirn. Warum ist das so, obwohl die Auftragslage für die Firmen recht gut ausschaut?

Wir haben aktuell ein Paradoxon. Auf der einen Seite haben viele Unternehmen volle Auftragsbücher wie nie zuvor und können sich die Produktion nicht leisten. Warum? Wir sehen steigende Preise, nicht nur wegen des Konflikts in der Ukraine. Wir haben bereits Engpässe in der Lieferkette erlebt (Stichwort Suezkanal). Wir sehen, dass immer mehr Unternehmen wieder beginnen, Läger aufzubauen, die sie brauchen, um für bestimmte Situationen gerüstet zu sein. Dies erfordert einen sehr großen Betriebsmittelrahmen und das „Working Capital“ wird extrem strapaziert.

Was bedeutet dies für KMUs, also kleine und mittlere Unternehmen?

Hier gibt es eine schöne Statistik, die das Unternehmen Finanzombudsteam bei mehr als 800 KMUs erhoben hat: Dreiviertel der KMUs haben derzeit einen akuten Mehrbedarf an Finanzierungsrahmen unter der Titel Betriebsmittel. Aber zwei Drittel aller Anträge wurden von ihren Banken abgelehnt.

Könnten wir kurz definieren, was in diesem Fall unter Betriebsmitteln zu verstehen ist?

Das sind die notwendigen Ressourcen, also sind die klassischen Mittel, die Unternehmen benötigen, um ihre Leistungen erbringen zu können. Auf der einen Seite natürlich Energie, Rohstoffe, die Betriebsstoffe und vieles mehr, das für die Erfüllung der Kundenaufträge benötigt wird.

Also eine Art Kreditklemme, die dann zum Tragen kommt, wenn man zur Bank geht und dort plötzlich keinen Kredit mehr bekommt. Wo liegt da das Problem?

Zum einen agieren die Banken hier sehr risikoavers. Das liegt an verschiedenen Vorgaben, die die Banken zu erfüllen haben. Andererseits sind diese KMUs daran gewöhnt, jahrelang, oft jahrzehntelang, mit nur einer Bank, ihrer Hausbank zusammenzuarbeiten.

Auf einmal sind diese gewohnten Vorgaben, wie man einen Kredit bekommt, völlig andere geworden. Die Banken verlangen vermehrt detaillierte Unterlagen, Planungssicherheiten, höhere Eigenkapitalquoten und auch bessere Informationen unter dem Jahr, nicht nur einmal im Jahr den vom Steuerberater erstellten Jahresabschluss. Hier sind die KMUs noch ein wenig starr und konservativ in ihrem Finanzprozess.

Hat sich die Bankenlandschaft verändert? Ich erinnere mich auch an Geschichten wie „Ich kenne den Bankdirektor, der mir vertraut, der mir meinen Kredit gegeben hat“. Warum ist das nicht mehr so?

Ja, es gibt hier immer strengere Vorschriften und Regulatorien, es gibt auch eine neue „Leitlinie zur Kapitalvergabe und Überwachung“ der Europäischen Bankenaufsicht seit 2021. Das bedeutet, dass der vertraute Bankdirektor oder Kundenbetreuer viele Entscheidungen nicht mehr selbst treffen darf und kann. Hier sitzt irgendwo der Riskmanager am Schalter und sagt „geht oder geht nicht“. Das ist etwas, was die KMUs, die seit Jahren ein sehr positives Verhältnis zu der einen Hausbank haben, nicht gewöhnt sind. Sie stehen dann mit der schon eng werdenden Liquidität mit dem Rücken zur Wand und haben praktisch keine Alternative.

Früher gab es also Vertrauen und einen Handschlag. Was braucht man heute?

Die Banken schauen im Grunde auf drei Dinge. Erstens die Branche, in der die Unternehmen nach Risikokreditpunkten eingestuft werden. Dann natürlich das Eigenkapital und zunehmend auch die Rückführbarkeit der Verbindlichkeiten.

Auch das Eigenkapital ist mittlerweile ein spannendes Thema, denn hier reden wir schon von einer Eigenkapitalquote von 25 bis 30 Prozent für ein gesundes Unternehmen. Etwas risikoreichere Unternehmen, zum Beispiel in der Gastronomie-Branche, benötigen noch höhere Quoten. In der Rückführbarkeit muss das Unternehmen sicherstellen können, dass es den Kredit und die Zinsen zeitgerecht bedienen kann. Selbst mit dem Wissen, dass es natürlich Risiken gibt, dass der künftige Cashflow nicht wie geplant sprudelt und obwohl der Kredit mit Sicherheiten weit über dem aushaftenden betrag abgesichert wäre.

Es gibt schon jetzt kaum noch Unternehmer, die ohne einen Steuerberater auskommen. Kann der Steuerberater das auch übernehmen?

Die Steuerberater könnten das, aber sie haben oft viele Klienten und sind nicht im operativen Geschäft eingebunden. Hier braucht man Controlling-Tools, mit denen man bestimmte Kennzahlen für das Unternehmen in Echtzeit berechnen und darstellen kann – bspw. dass der Deckungsbeitrag oder der Cashflow passt. Da benötigt man eine kurzfristige Liquiditätsplanung, damit man z.B. sieht, dass das kommende Urlaubs- oder Weihnachtsgeld in dem Moment drückt, in dem noch große Kundenrechnungen offen sind und Lieferantenrechnungen bezahlt werden müssen. Hier muss man diese Maßnahmen entsprechend planen.

Mit anderen Worten, ein ganzes Bündel zusätzlicher Informationen, zu denen einzelne Unternehmen vielleicht gar keinen Zugang haben und bei denen bestimmte Unternehmen dennoch helfen können. Was empfehlen Sie für kleine und mittlere Unternehmen?

KMUs sind das Rückgrat unserer Wirtschaft und viele von ihnen sind wahnsinnig gut aufgestellt, wenn es um das operative Geschäft, Marktfragen oder Innovationen geht. Im Bereich der Finanzen sind sie oft etwas konservativ. Meistens gibt es den Eigentümer, der viel über das Unternehmen weiß, die Eigentümerin, die das Unternehmen seit vielen Jahren führt. Dann gibt es in der Regel noch die Buchhaltung und das war’s. Hier müssen viele Schritte gesetzt werden – aber nicht notwendigerweise große: Es braucht kein „Vollzeit-Controlling“, es braucht auch nicht immer eine zusätzliche Software. Nötig sind vor allem Fortschritte bei der Einführung von Planungs- und Reportingprozessen, die die Banken zunehmend verlangen werden, um ihre Kreditlinien offenzuhalten.

Also wirklich in den laufenden Prozess eingebunden zu werden. Ich glaube, die Firma Konsultori ist auch sehr stark in diesen Prozess eingebunden, stimmt’s?

Das stimmt. Wir sind ein Team von Experten, die nicht nur beraten, sondern die alle die praktische Erfahrung haben, selbst als Unternehmer und Führungskräfte tätig gewesen zu sein. Das bedeutet, dass wir bei Konsultori diese Prozesse gemeinsam mit den Kunden durchführen und weiter begleiten und sehen, dass sie auch langfristig gute Ergebnisse damit erzielen.

© W24 Wirtscahft.Inside