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Männlich, knapp 31 Jahre – statistisch gesehen lässt sich so die durchschnittliche Gründungsperson österreichischer Startups beschreiben. In Österreich sind nur 7,1 % aller Startup GründerInnen weiblich. Ganz anders schaut das wiederum bei klassischen Unternehmungsgründungen aus, wo mit bis zu 60,7 % mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Die unternehmerische Selbstständigkeit scheint also grundsätzlich durchaus ein attraktiver Karriereweg für Frauen zu sein. Warum aber sind dann der Startup Gründerinnen so wenige? Ist das ein reines österreichisches Phänomen?

Letztere Frage lässt sich mit einem Blick in den European Start Up Monitor 2016 leicht beantworten: Nein, Österreich bleibt mit diesem Gender-Gap nicht allein auf weiter Flur stehen – im Durchschnitt sind 85,2 % aller Startup GründerInnen männlich und 14,8 % weiblich. Beruhigend ist das aber auch nicht, außerdem zählt Österreich mit nur 7,1 % zu jenen Ländern mit dem geringsten Frauenanteil bei Gründungen von Startups.

 

Die männliche Technik, die weibliche Kreativ- und Kulturwirtschaft

Medianet hat mich und BranchenkollegInnen zu einem Interview eingeladen, um dieses Thema etwas genauer zu analysieren. Ein Aspekt, der schnell auf dem Tisch landet, ist die Branchenwahl. Die meisten Startups werden in den Bereichen IT / Software Entwicklung (15 %), Software als Dienstleistung (12,2%) und industrielle Technologie/Produktion/Hardware (8,3%) gegründet (ESM 2016). Auch Hannes Raffaseder, Prokurist und Leiter FH-Service Forschung und Wissenstransfer der FH St. Pölten ist sich sicher: „Viele Entwicklungen der Start-up-Szene sind stark von technischen Entwicklungen getrieben […]“. Frauen gründen vor allem in den Bereichen Kunst und Kultur (19 %), Medien- und Kreativwirtschaft (18 %), Consulting und Agenturwesen (17 %), sowie Marketing und PR (13 %).

Ganz klar ist: der Gender-Gap in der Technik ist nicht nur ein Thema bei Startups, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, das es bereits in Schulen und ebenso an Universitäten gibt: In technisch gewerblichen Schulen stellen Mädchen nur 12 Prozent aller Schüler, aber 97 Prozent jener von Modeschulen. Nur rund 20 Prozent der AbsolventInnen von technisch-ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen sind weiblich, beschreibt ein Artikel über Frauen in der Technik auf futurezone.at. Ist es so nicht fast schon eine logische Schlussfolgerung, dass sich dieses Bild weiter zieht in den Beruf, egal ob im Angestelltenverhältnis oder bei Startup-Gründungen?

Kind auf Skateboard

Kind auf Skateboard by Rainer Maiores via pixabay CC0 1.0 Creative Commons

Gender-Rollen haben uns fest im Griff

Was steckt also dahinter, ist es schlichtweg Sozialisierung? Den geringen Frauenanteil in der Startup-Gründungsszene sehen viele ExpertInnen in gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren begründet.„Gender-Rollen sind in der Sozialisierung erlernt. Sie sind kulturell bedingt. In Österreich haben wir eine sehr konservative Kultur. Da sind ganz andere Ebenen gefordert. Das fängt dort an, wo Mädchen Puppen bekommen und Buben einen Lego-Technik-Kasten (…).“, meint Stefanie Kurzweil, Geschäftsführerin von Semicolon Relations in einem Interview mit Trending Topics. Was es braucht, sind Vorbilder, die vorleben, dass technische Berufe mit den Karrierevorstellungen von Frauen vereinbar sind, betont auch Thomas Reiter, Sprecher von weXelerate, einem der größten Start-up-Hubs Österreichs.

Um herauszufinden, wie die Situation von potenziellen Gründerinnen verbessert werden kann, hat das Wissenstransferzentrum Ost eine Studie in Auftrag gegeben, bei der 200 Frauen befragt wurden, die bereits ein Unternehmen gegründet haben oder es in Zukunft vorhaben. Laut dieser Studie sehen Frauen vor allem in den folgenden drei Bereichen Handlungsbedarf:

  • Verstärkte Vermittlung von Know-how hinsichtlich betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Grundlagen
  • Stärkung von Soft Skills wie z.B. Verhandlungs– und Präsentationstechnik
  • Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen

Damit soll der Schritt in die Selbstständigkeit attraktiver gemacht werden und der Weg von der Idee zur erfolgreichen Gründung des Unternehmens beschleunigt werden.

Die gute Nachricht für Startup Gründerinnen

Mittlerweile gibt es viele Bestrebungen und Programme, um den Gender-Gap bei Startup-Gründungen zu reduzieren bzw. im besten Fall zu schließen. Female Founders, dessen Ziel es ist diesen Gender-Gap zu schließen, hat für Unternehmerinnen ein Mentoring-Programm ins Leben gerufen, um an der Verbesserung der Situation von Gründerinnen zu arbeiten. Hinsichtlich Vernetzung gab es heuer erstmals den WIENERIN Gründerinnentag, der aufgrund der immensen Nachfrage gleich für das nächste Jahr fixiert wurde.

Den Medianet-Artikel, verfasst von Britta Biron, gibt es hier zum Nachlesen.

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