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Sie wachsen schnell und auch noch stark und sind damit ein ganz wichtiger Motor für die Arbeitsplatzbeschaffung – sogenannte „Gazellenunternehmen“.  In welchen Branchen sie zu finden sind, was sie ausmacht und warum sie so stark wachsen, haben wir in diesem Blog-Post analysiert.

Gazelle

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Was macht ein Unternehmen zum Gazellenunternehmen?

Die beiden häufigsten Indikatoren sind die Beschäftigungszahl und der Umsatz. Aber sind schnell wachsende Unternehmen immer jung, klein und innovativ? Das trifft nicht immer zu, Gazellenunternehmen können auch bereits seit Jahrzehnten am Markt bestehen. Genauso ist es mit der Unternehmensgröße, wenngleich schnell wachsende Unternehmen überwiegend kleine Unternehmen sind.

Den Begriff des Gazellenunternehmens hat übrigens erstmals der Ökonom David Birch geformt. Er definierte diese als rasch wachsende Unternehmen, deren Umsatz sich jedes vierte Jahr verdoppelt (Forbes).

Die OECD definieren jene Unternehmen als Gazellen, die höchstens fünf Jahre alt sind und über einen Zeitraum von drei Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von über 20 Prozent aufweisen und 10 oder mehr MitarbeiterInnen am Beginn des Bemessungszeitraumes beschäftigen.

Egal wie eng oder breit die Definition eines Gazellenunternehmens geschnürt wird, das charakteristische Merkmal ist ihr schnelles Wachstum, das nur wenige Unternehmen verzeichnen können. Genauer gesagt nur ein bis fünf Prozent der Firmen können sich Gazellenunternehmen nennen.

Durch dieses schnelle Wachstum wird von sehr wenigen Unternehmen ein unverhältnismäßig hoher Anteil neuer Arbeitsplätze geschaffen. Kein Wunder also, dass das Phänomen der Gazellenunternehmen nicht nur einzelne UnternehmerInnen interessiert, sondern gesamtwirtschaftlich von großer Bedeutung ist.

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Schritte am Weg zum Gazellen-Wachstum

Selten, aber doch erreichen Gazellenunternehmen sogar ein Wachstum von mehr als 1.000 Prozent. So hat das österreichische Unternehmen Wiener Fintech-Start-up wikifolio von 2012 bis 2016 ein Unternehmenswachstum von 7.000 Prozent verzeichnen können. Bei solchen aber natürlich auch viel geringeren Wachstumsraten kommt natürlich die Frage auf „Wie schaffen diese Unternehmen das?“ Und gleich danach die nächste Frage „Kann das jedes Unternehmen schaffen?“ Aber zuerst einmal vorweg: Ein starkes Unternehmenswachstum muss nicht zwingend mit einer höheren Risikobereitschaft der/des UnternehmerIn einhergehen. So können Startups genauso zu Gazellenunternehmen werden wie risikoscheue GründerInnnen, die auf kontinuierliches Re-Investitionen in Forschung und Entwicklung setzen.

Nichtsdestotrotz verfügen schnellwachsende Unternehmen über bestimmte Eigenschaften. Eine davon ist die Innovationsfähigkeit, die als zentrales Element angesehen wird. Neue oder modifizierte Produkte, die entweder aufgrund von F&E oder einer informellen Innovationstätigkeit entstehen, sind eine wesentliche Voraussetzung.

Darüber hinaus begünstigen aber auch noch gut etablierte Forschungskooperationen und -netzwerke sowie erfolgreiche Internationalisierungsmaßnahmen ein rasches Unternehmenswachstum. Aber auch die Einstellung der/des UnternehmerIn zu Wachstum und deren/dessen Kernkompetenz spielen eine wesentliche Rolle. Entscheidend scheint laut Studien hier vor allem die Berufserfahrung zu sein und weniger eine formale Managementausbildung.

Je nachdem welche der genannten unternehmensinternen Determinanten bereits gegeben und ausgebaut sind, ergeben sich für jedes Unternehmen auch Maßnahmen, die gesetzt werden können, um größeres Wachstum zu ermöglichen. So zum Beispiel die laufende Weiterentwicklung der Produkte, Prozesse und Dienstleistungen, insbesondere technologische Entwicklungen als auch Kundenwünsche miteinzubeziehen. Dies ist generell eine wichtige Voraussetzung, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Eine Wachstumsstrategie kann auch Internationalisierungsschritte beinhalten. Hohes Unternehmenswachstum ist in der Regel die Folge von Markteintritten in neue Teilmärkte, seien dies neue Exportmärkte, neue Technologiesegmente oder auch Produktdifferenzierung auf Basis existierender Kompetenzen. Es zeigt sich, dass die meisten Unternehmen eine Strategie der Beschränkung auf Kernkompetenzen fahren.

 

Eine ausführliche Erläuterung der Wachstumsdeterminanten sowie Handlungsempfehlungen finden Sie im Bericht Unternehmerische Wachstumsstrategien in den Ostdeutschen Bundesländern  (Ramboll Management Consulting GmbH, Oktober 2017).

 

Gazellenunternehmen: Wo seid ihr?

Wie schauen die Zahlen zu Gazellenunternehmen eigentlich in Österreich aus?

2016 verzeichnet Statistik Austria 3026 schnellwachsende Unternehmen in Österreich. Sie definiert schnellwachsende Unternehmen als jene, die über ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 10% (und nicht die wie sonst üblichen 20%) und über mindestens 10 unselbständige Beschäftigte am Anfang der Wachstumsperiode verfügen. 2016 gab es davon 44.591 Unternehmen mit durchschnittlich 59 Mitarbeitern.

Wirft man einen Blick auf die Branchen, wird schnell klar, dass Gazellen über viele Branchen verteilt sind und nicht wie vielleicht im ersten Moment angenommen, primär im Hochtechnologiebereich zu finden sind. Schnellwachsenden Unternehmen waren 2016 laut Statisik Austria vor allem in den Wirtschaftsbereichen „Information und Kommunikation“ (12,3%), „Sonst. wirtschaftliche Dienstleistungen“ (11,8%), „Erziehung und Unterricht“ (9,9%) sowie „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ (8,7%) zu finden.

Schnell wachsende Unternehmen in Österreich: Ein Ranking

Die Wachstums-Champions Österreichs für 2017 hat das Magazin Profil gekürt.

Den ersten Platz mit einer jährlichen Wachstumsrate (über 3 Jahre) von 148,16 Prozent nimmt das oberösterreiche IT-Unternehmen Robart GmbH ein. Auf Platz 2 mit 134,93 Prozent die Bademeisterei Kosmetikmanufaktur GmbH, ebenfalls ein oberösterreichisches Unternehmen und auf Platz 3 die Austria Pet Food GmbH mit Sitz im Burgenland. Um noch deutlicher zu zeigen, dass schnellwachsende Unternehmen in allen Branchen vorkommen, sei auch noch der vierte Platz genannt: die Greenstorm mobility GmbH.

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